Wer klont gewinnt: Wie Copycats die Gründerszene verändern

Die Zeiten, in denen Existenzgründer und junge Unternehmer sich vor allem durch Pioniergeist, Erfindungsreichtum und Mut zur Innovation ausgezeichnet haben, sind lange vorbei. Heute hat längst ein neuer Trend in der deutschen und der internationalen Gründerszene eingesetzt, der neue Unternehmen und ihre Strategien grundlegend verändert hat. Gemeint sind hiermit geklonte Geschäftsideen der New-Economy, die von Fachleuten und Medien meist als Copycats bezeichnet werden. Der Begriff geht auf das Verhalten von neugeborenen Katzen zurück. Um sich schnell in der für sie noch neue Welt zurechtzufinden, ahmen sie das Verhalten und die Bewegungsabläufe ihrer Mütter minutiös nach. Ähnlich geht auch der Copycat Gründer vor, der zunächst den Markt nach aussichtsreichen Vorlagen untersucht und diese, wenn sie ihm aussichts- und chancenreich genug erscheinen, konsequent kopiert. Dabei handelt es sich um alles andere als um eine Nische. Sehr viele bekannte und namhafte Unternehmen und Marken basieren tatsächlich auf den Innovationen anderer Unternehmen. Nicht selten sind die eigentlichen Innovatoren selber längst nicht so erfolgreich, wie ihre Copycats.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass geklonte Geschäftskonzepte gesellschaftlich weitgehend anerkannt sind. Während sich Nachahmer und Kopisten in anderen Bereichen, man denke hier nur an plagiierte Doktorarbeiten in Politikerkreisen, alles andere als wohlgelitten sind, erfreuen sich die Copycats unter Geschäftsleuten und Verbrauchern großer Beliebtheit. Es gilt als akzeptabel, dass sich Existenzgründer vor dem Start ihrer eigenen Unternehmen Inspirationen am Markt beschaffen. Selbst wenn diese Inspiration zu einer fast identischen Kopie des Originals führt, nimmt kaum jemand ernsthaft Anstoß hieran. So ist beispielsweise der große Erfolg des Schuh- und Modeversenders Zalando zu erklären. Das Unternehmen ist eine Copycat des US-amerikanischen E-Commerce Riesen Zappos und hat von diesem nicht nur die Angebotsstruktur und die Ausrichtung des Sortimentes, sondern auch wesentliche Elemente im Kundenservice übernommen. Ob kostenloser Versand und Rückversand, eine kostenlose telefonische Hotline oder eine extrem lange Frist für die Ausübung des Rückgaberechtes: Zappos hat alle diese Serviceleistungen lange vor Zalando erfolgreich am Markt eingeführt.

Wer sich als Existenzgründer für eine Copycat entscheidet, der hat es deutlich leichter als seine eher innovativ orientierte Konkurrenz. Die Entwicklung der eigentlichen Geschäftsidee ist hier keine kreative Meisterleistung mehr, sondern das logische Ergebnis einer sorgfältigen Marktbeobachtung und Analyse. Auch die technische und logistische Umsetzung stellt Copycat Gründer nicht vor unlösbare Herausforderungen. Details in Bezug auf die optimale Realisierung können sie sich jederzeit beim jeweiligen Original abschauen. Die Redakteure des Online-Magazins INTERNETHANDEL empfinden diese Vorteile für Existenzgründer und angehende Unternehmer als so überzeugend, dass sie die Titelstory ihrer aktuellen Ausgabe (Nr. 109, November 2012) diesem interessanten Thema gewidmet haben. Interessierte Leser erhalten hier einen tiefen Einblick in die Materie, werden mit vielen Beispielen aus der Praxis versorgt, erlernen Techniken zur schnellen Identifizierung von geklonten Geschäftsideen und werden Schritt für Schritt durch den Entwicklungs- und Gründungsprozess eigener Copycats geleitet.